Die Chronik

Es war einmal …

… im Juli 2005:

Damals traf sich zum ersten Mal eine Handvoll desillusionierter Wohnungssucher im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg, auf der Suche nach neuer Hoffnung auf passenden, bezahlbaren Wohnraum in der Stadt. Von diesem gäbe es zwar, wie einschlägige Statistiken stets beteuern, in Berlin immer noch viel mehr im Vergleich etwa zu München, Frankfurt/M. oder Hamburg.
(Ob sich die Statistiker diese günstigen Berliner Wohnungen auch einmal ansehen?)

Bezahlbarer, familienfreundlicher Wohnraum in angenehmer, zugleich zentraler Lage ohne die (in Berlin immer noch oft zu findenden) Aussentoiletten, Kohleöfen, „Berliner Zimmer“ (grosse, tunnelartige Räume mit nur einem Fenster in der äussersten Ecke, zumeist in einen engen Innenhof hinaus) und tristen Wohnblöcke sind in der Hauptstadt ebenso selten und daher ebenso hoffnungslos begehrt wie in allen anderen Ballungsräumen.

Gerade im familienfreundlichen Stadtteil Prenzlauer Berg werden aufgrund der grossen Nachfrage für geräumige Wohnungen inzwischen Mieten auf Münchner Niveau verlangt – und gezahlt.


 

Die Selbstfindung


Alle damals Beteiligten hatten schon einmal von der Möglichkeit einer Baugruppe gehört. Am Prenzlauer Berg gab es bereits einige solcher Projekte, die eine relativ neue, insgesamt kostengünstige Alternative zum konventionellen Wohnungsmarkt darstellen. Geläufiger ist dieses Modell bislang noch in Ländern mit hohem Wohneigentumsanteil in Städten wie den Niederlanden und den USA, gewinnt aber auch in Deutschland stetig an Bedeutung.

Wie eine Baugruppe funktioniert, lesen Sie → hier


Nach längerem Selbstfindungsprozess, dem üblichen, tränenreichen Abgleich von Wünschen und finanziellen Möglichkeiten und nach einer nicht minder spannenden Suche nach den geeigneten Architekten nahm die Baugruppe, aus der schliesslich einmal das Projekt E3 Berlin erwachsen sollte, erste Formen an.


Drei Dinge braucht die Baugruppe: ein Grundstück, einen Architekten und – ’ne Vision


Die Architekten sind naturgemäss Dreh- und Angelpunkt des  Vorhabens. Von ihrem Ideenreichtum, ihrer Zuverlässigkeit, Geduld und Brillanz lebt das Projekt.

Oft genug sind die Beziehungen zwischen Architekt und einem Bauherr schon reichlich...naja... komplex... kompliziert...
Eine ganze Gruppe von BauherrInnen können einem Architekten schon mal den letzten Nerv kosten.

Ein Extra-Dank für Geduld an die Archis!


Erst einmal herrscht verständlicherweise grosses Hallo. Zumal das Projekt prestigeträchtig ist, was uns allen aber erst so nach und nach aufging.

Dass eine Baugruppe einen Architekten findet, der zu ihrer Vision passt, ist nichts weniger als ein Glücksfall. Und die Vision der Baugruppe lautete: Wir wollen unser Haus in Holz. Voll öko und alles. Aber nicht schratig, sondern modern. Mitten in der Stadt. In Prenzlauer Berg.

Dass daraus einmal das derzeit höchste Holzhaus weltweit im Stadtbereich werden würde, war uns damals noch nicht bewusst (und das war auch gut so).

Der kleine Baugruppenboom am Prenzlauer Berg hatte allerdings auch seinen Haken – die Baugrundstücke gingen weg wie warme Bouletten, wir waren spät dran.


 

Der Durchbruch

Im Oktober 2005 entdeckten wir das Grundstück Esmarchstrasse 3: eine schmale Bombenlücke aus dem Zweiten Weltkrieg mit einem Grundstück aus ehemals jüdischem Grundbesitz, das im Dritten Reich „arisiert“ und erst nach 1990 an die rechtmässige Erbengemeinschaft, die inzwischen in alle Welt verstreut ist, restituiert worden war.

Zu DDR-Zeiten waren Garagen auf dem Grundstück gebaut worden. Fundamente und Trümmer der kriegszertörten Nummer 3  waren nur von einer dünnen Betonschicht versiegelt. Nach der Wende war nebenan bereits ein Neubau entstanden. Hintenraus jedoch gab es viel unverbaute Sicht auf einen grünen, sehr weiten Hinterhof.

Ein kleines Juwel also, wie sich herausstellte, das zudem erst wenige Wochen zuvor aus der Freiflächenplanung des Bezirks Berlin-Pankow herausgefallen war. Zeitweilig hatte hier ein Kinderspielplatz entstehen sollen.

Dann wurde es aufregend. Die Erbengemeinschaft war über sechs Länder und drei Kontinente verteilt. Unser erstes Kaufgebot über eine Grundstücksverwalterin wurde abgelehnt. Professionelle Immobilien-Investoren boten den Erben plötzlich stattliche Summen. Dennoch ging der Zuschlag an uns - den Erben war unser Projekt sympathischer als die übliche Berliner Bodenspekulation. So kann’s zum Glück auch mal gehen.


Aber plötzlich musste eine weitere Hürde genommen werden: Denn zu diesem Zeitpunkt bestand die Baugruppe aus gerade einmal noch drei Parteien. Wer sollte das Grundstück bezahlen?
Zum Glück fanden sich neue Mitstreiter …


 

Der Start

Im Mai 2006 stand zum ersten Mal die Baugruppe, die die Welt heute unter dem Namen E3 kennt.


Im Juni 2006 wurde der Grundstückkauf besiegelt. Zugleich stand der erste Entwurf für das Haus, die Grundrissplanung, die Etagenbelegung und der für den Quadratmeterpreis pro Etage entscheidende Lagefaktor.


Bis die Statik, Prüfstatik, Baugenehmigung, Kreditverträge, Genehmigungen im Einzelfall, Brandschutzgutachten und alle Verträge mit Baufirmen und Gewerken unter Dach und Fach waren, dauerte es trotzdem noch fast ein ganzes Jahr.


Im März 2007 erfolgte endlich der Abriss der Garagen.
Im Mai die Gründung mit 57 Betonpfählen.
Im Juli die Verlegung der Bodenanschlüsse.

Im August dann – endlich – die eigentlich Baustelleneinrichtung und die symbolische Grundsteinlegung.

Und seitdem geht’s Schlag auf Schlag