Das Holzhaus Esmarchstrasse 3

Von vorn …




… und von hinten …




… zeigt sich das Wohnhaus Esmarchstrasse 3 von Kaden + Klingbeil nicht als in die Grossstadt verirrte Zirbelstube, sondern als nobel-funktionale Einheit mit Zitaten der klassischen Chicagoer Bürohaus-Moderne des späten 19. Jahrhunderts, bei der die konstruktiven Grundelemente nach aussen sichtbar bleiben.


Der Wohn-Kubus ist an seinen insgesamt drei sichtbaren Fassaden durch dieses senk- und waagerecht verlaufendes Raster geprägt, das das Skelett der Stützen-Riegel-Konstruktion kennzeichnet. Nach aussen ergibt sich durch den Wechsel von Fenster- und Wandflächen ein ungefähres Schachbrettmuster, das diesen Eindruck verstärkt.


Behutsamkeit im Umgang mit dem historischen Baubestand des Bötzowviertels am Prenzlauer Berg war von Beginn an erklärtes Ziel der Architekten, nachdem die atmosphärische Dichte dieses beliebten Wohnquartiers nach der Wiedervereinigung bereits durch einige Immobilien-Investments gelitten hat. Daher ging es auch bei der Einpassung des Baus in die Häuserlücke nie um eine schrille Effekt-Moernisierung um jeden Preis.


Strassenseitig sind im ersten, dritten, vierten und sechsten Obergeschoss Freiflächen ausgespart.  Zudem werden die Profile der Putzflächen zwischen den tragenden Strukturen leicht abgesetzt, so dass die kubische Struktur räumlich verstärkt, als wäre sie eine Kombination von Würfelmodulen, hervortritt. Der an sich strenge Charakter der Struktur erhält dadurch, wie auch durch die mitunter „aus der Reihe“ tanzenden Fensterflächen, einen spielerischen Effekt, der die Konfrontation mit dem direkt angrenzenden Altbau  der Esmarchstraße Nr. 2 abmildert.


Auf der linken Gebäudeseite erschliesst ein Treppenturm mit Hilfe von Betonstegen den Wohnkubus und rückt diesen dadurch von seinem anderen Nachbargebäude ab, so dass die Massivität der Lückenschliessung durchbrochen, die Lücke selbst, die kriegs- und nachkriegsbedingt jahrzehntelang hier bestand, als Andeutung offengehalten wird.  Den BewohnerInnen des Hauses entsteht dadurch wiederum eine dritte Hausfront mit grossen Fenstern, die die Wohnungen zu offenen, lichtdurchfluteten Behausungen werden lassen.